Unsichtbares Wissen sichtbar machen (mit Praxisbeispielen aus Gründung, Forschung und Mittelstand)

Das Wissen vieler Unternehmen steckt oft verborgen in den Köpfen der Menschen: Als Fachwissen oder langjährige Erfahrung, in komplexen Prozessen oder großen Visionen.

Wir von Startpunkt Media begegnen diesem „unsichtbaren Wissen“ ständig: Bei Gründern, die ihre Geschäftsidee verständlich erklären möchten, obwohl das Produkt noch mitten in der Entwicklung steckt. Bei Forschungsteams, die komplexe Forschungsprojekte greifbar machen müssen, damit Außenstehende deren Relevanz erkennen. Oder bei mittelständischen Unternehmen, die internes Wissen sichern und Erfahrungen weitergeben möchten.

Was alle drei Gruppen benötigen, ist eine verständliche, menschliche und alltagstaugliche Kommunikation.

Hier sehen wir heute eine der größten Herausforderungen in modernen Unternehmen: Wie macht man Wissen sichtbar, das bisher selbstverständlich, unausgesprochen oder zu komplex erschien? Mit diesem Beitrag möchten wir zeigen, wie unterschiedlich diese Herausforderung aussehen kann und gleichzeitig Praxisbeispiele geben, wie Gründung, Forschung und Mittelstand sie gelöst haben.

Wie erklärt man komplexe Ideen, Forschung oder Erfahrungswissen verständlich? Wir zeigen an drei Praxisbeispielen, wie unsichtbares Wissen sichtbar wird.

Beispiel Gründer: Wie erklärt man eine neuartige Idee, Produkt oder Prozess, den noch niemand kennt?

Start-ups und Gründer stehen oft vor einer besonderen Herausforderung in ihrer Kommunikation: Wie erkläre ich etwas, das noch nicht wirklich „da“ ist? Denn die Gründerinnen und Gründer haben schon etwas vor Augen, das sonst noch niemand sehen kann. Um das Außenstehenden verständlich zu machen, gibt es vielleicht erstmal nur ein Konzept, einen unfertigen Prototypen oder auch nur viele erklärende Worte. 

Die Besonderheit: es gibt weder eine langjährige Erfolgsgeschichte, noch Kunden oder Referenzen, die Vertrauen erzeugen könnten. Deswegen sagen wir immer: 

„Wenn du noch kein Marketing hast, bist du das Marketing.“

Soll heißen: Gesprächspartner achten umso mehr auf den Mensch hinter der Idee anstatt darauf, was er schon vorzuweisen hat. Hier geht es mehr darum, den Spirit der Gründer zu kommunizieren und das richtige Gefühl zu vermitteln.

Diese Herausforderung begegnete uns auch bei der InnoAcademy 4 School, einem neuartigen sozialen Projekt, das Schüler mit Unternehmen vernetzt und neue Wege der Berufsorientierung schafft. Die eigentliche Schwierigkeit lag nicht nur darin, das Konzept für die verschiedenen Zielgruppen (Schüler, Eltern, Unternehmen, Schulen und die Region) verständlich zu erklären. Sondern vielmehr darin, Vertrauen aufzubauen in ein bisher unbekanntes Konzept und in den Projektkoordinator als Person. Und dieses Vertrauen baut sich durch eine klare, kontinuierliche und vor allem menschliche und emotionale Kommunikation auf. 

Der größte Hebel waren hier wöchentliche LinkedIn Beiträge und regelmäßige Video-Einblicke in das laufende Projekt. Unsere Case Study der InnoAcademy zeigt, welche weiteren Methoden und Medien dabei eine Rolle spielten und welche Ergebnisse im ersten Jahr erzielt wurden.

Beispiel Forschung: Warum Forschungskommunikation oft an Verständlichkeit scheitert

Bei Forschungsteams sieht es ein klein wenig anders aus: Sie verfügen über ein äußerst spezialisiertes Fachwissen. Kein Wunder, denn sie beschäftigen sich über Monate oder oft sogar Jahre hinweg mit einem konkreten Forschungsgebiet. Im wissenschaftlichen Kontext haben sie gelernt, dass jede Aussage fachlich korrekt sein muss und jede Herleitung begründet, bevor sie veröffentlicht wird.

Für potenzielle Partner, Investoren oder Kunden stellen sich aber zunächst ganz andere Fragen:

  • Worum geht es überhaupt?
  • Warum ist das relevant?
  • Welches Problem wird gelöst?
  • Und warum sollte ich mich damit beschäftigen?

Genau vor dieser Herausforderung standen wir beim Forschungsprojekt AlPoBat. Im Projekt wird an einer neuartigen Aluminiumbatterie geforscht. Die wissenschaftlichen Hintergründe sind komplex und reichen tief in die Materialforschung und experimentelle Physik hinein.

Um den Weg zur Gründung zu ebnen und potenzielle Investoren, Partner und Kunden anzusprechen, setzen wir auf ein Pitchvideo mit den Forschern. Dafür haben wir den Kern der Idee in eine leicht verständliche Sprache übersetzt, mit Animationen und visuellen Elementen greifbar gemacht und die Forscher selbst zu Wort kommen lassen – denn das sind die Köpfe, in die investiert wird. Das große Ziel ist es, für das Forschungsprojekt eine gesellschaftliche Relevanz außerhalb der Fachwelt zu vermitteln.

Beispiel Mittelstand: Wissen im Unternehmen sichern, wenn Erfahrung nur in Köpfen existiert

Jetzt entsteht nicht jedes unsichtbare Wissen durch Innovation oder Forschung. Manchmal ist es einfach schon viele Jahre in den Unternehmen selbst. Es steckt in eingespielten Abläufen, routinierten Handgriffen oder in Erfahrungswerten. Und vor allem: in den Köpfen der Menschen, die jeden Tag ihre Arbeit machen.

Aber wie stellt man sicher, dass dieses wertvolle Wissen strukturbedingt nicht verloren geht und an neue Mitarbeiter überführt wird? Vor genau diesen Fragen stand auch die Fleischerei Richter. Mit rund 700 Mitarbeitern und rund 120 Filialen ist die persönliche Wissensvermittlung nicht immer einfach. Zwar gibt es mit der Richter Akademie einen zentralen Ort für Schulungen, doch nicht jeder Mitarbeiter kann für jede Weiterbildung anreisen.

Gemeinsam haben wir deshalb einen Weg entwickelt, Wissen direkt im Unternehmen sichtbar zu machen. Mitarbeiter können ihr Fachwissen, ihre Erfahrungen und wichtige Arbeitsabläufe selbst als Videos im hauseigenen Studio dokumentieren. So entstehen praxisnahe Lerninhalte, die unabhängig von Ort und Zeit genutzt werden können – für Schulungen, Einarbeitungen und die langfristige Wissenssicherung im Unternehmen. Wie der Startpunkt eines solchen Projektes aussehen kann, erfährst du in der Richter Erzgebirge Case Study.

Fazit: Wissen verändert erst dann etwas, wenn andere es verstehen

Auf den ersten Blick haben ein Startup, ein Forschungsprojekt und ein mittelständisches Unternehmen wenig gemeinsam. Die einen entwickeln neue Ideen. Die anderen erforschen neue Technologien. Und wieder andere bauen seit Jahrzehnten auf Erfahrung und bewährte Prozesse.

Doch bei genauerem Hinsehen stehen sie oft vor derselben Herausforderung: Wertvolles Wissen ist vorhanden, aber es bleibt unsichtbar.

Weil es in Visionen, Fachwissen, Erfahrungen, Prozessen oder eben einfach nur in den Köpfen der Menschen steckt. Deshalb geht es bei Kommunikation aus unserer Sicht nicht in erster Linie um Reichweite, Kanäle oder Technologien. Sondern darum, ein Verständnis zu schaffen und die Menschen dahinter kontinuierlich zu Wort kommen zu lassen. Nur dann kann Vertrauen entstehen.