Was dir keiner über LinkedIn sagt: 7 LinkedIn Mythen aufgelöst

LinkedIn gilt für viele als unverzichtbarer Kanal im Marketing-Mix. Und gleichzeitig stolpere ich immer wieder über angestaubte Denkmuster und Mythen rund um Impressionen, Unternehmensseiten oder KI-Content. In diesem Beitrag teile ich meine persönlichen Erfahrungen zu Dingen, die dir keiner über LinkedIn sagt. Ich zeige dir 7 verbreitete LinkedIn Mythen und kläre auf, was wirklich dahintersteckt. Hast du diese Mythen einmal aufgelöst, wirst du LinkedIn als Gründer, Selbständige oder Unternehmen viel gezielter für dich nutzen.

Glaubst du an diese verbreiteten Denkfehler? Diese 7 LinkedIn Mythen kannst du getrost vergessen!

Mythos 1: Impressionen = erreichte Menschen

Impressionen sind wahrscheinlich die beliebteste Kennzahl, wenn es darum geht, die Performance von Beiträgen zu bewerten oder sich mit anderen Creatorn zu vergleichen. 

Wie oft habe ich schon gelesen: „Meine Beiträge haben dieses Jahr 1 Mio. Menschen erreicht!“ Dazu ein Screenshot, der die 1 Mio. Impressionen zeigt. Aber hier muss ich kurz bremsen: sehr wahrscheinlich hast du keine Million Menschen erreicht. Und ich erkläre dir auch, warum.

Zuerst die Frage: Was sind Impressionen eigentlich? LinkedIn selbst definiert sie als: „Wie oft dein Beitrag auf LinkedIn angezeigt wurde.“

Was genau „angezeigt“ bedeutet, bleibt allerdings offen. Vermutlich reicht ein kurzes Vorbeiscrollen (auch ohne auf „Mehr anzeigen“ zu klicken) schon aus. Wichtig ist aber: Impressionen beziehen sich nicht auf einzelne Personen. Denn eine einzelne Person kann deinen Beitrag auch mehrfach sehen und jede dieser Ansichten erhöht die Impressionen. 

Deshalb stellt LinkedIn eine zweite Kennzahl bereit: „Erreichte Mitglieder“. Diese Zahl zeigt an, wie viele unterschiedliche, also individuelle Mitglieder deinen Beitrag wirklich gesehen haben. Übrigens: Für beide Zahlen weist die Plattform darauf hin, dass es sich um Schätzwerte handelt. Die tatsächliche Zahl kann also abweichen.

Und noch etwas wird gerne übersehen: Mit deinem nächsten Beitrag erreichst du selten komplett neue Menschen, sondern wieder eine ähnliche Gruppe an Menschen, nämlich hauptsächlich deine Kontakte und Follower. Diese Reichweiten lassen sich also nicht einfach über das Jahr aufsummieren.

Der Unterschied wird in den Analytics sichtbar: Aus meiner eigenen Auswertung liegt die Zahl der erreichten Mitglieder pro Post meist nur bei etwa 40–60 % der Impressionen. In der Jahresauswertung schrumpft dieser Anteil sogar auf ungefähr 10–15 %. Wer also stolz mit „1 Mio. Impressionen“ argumentiert, hat in Wirklichkeit möglicherweise „nur“ rund 100.000 Menschen erreicht.

Mythos 2: Für LinkedIn reicht eine Unternehmensseite

Ich begegne immer noch häufig der Annahme, dass eine gut gepflegte Unternehmensseite ausreicht, um auf LinkedIn sichtbar zu werden. Ein Blick in aktuelle Daten zeichnet jedoch ein anderes Bild: Laut Algorithmus-Report von LinkedIn-Experte Richard van der Blom stammen von 100 sichtbaren Beiträgen im Schnitt gerade einmal zwei von Unternehmensseiten.

Warum ist das so?

LinkedIn ist und bleibt ein soziales Netzwerk. Und soziale Netzwerke leben vom Austausch zwischen Menschen. Genau diesen Austausch bevorzugt auch der Algorithmus. Beiträge von Personenprofilen bekommen deshalb in der Regel mehr Reichweite, mehr Interaktion und letztlich auch mehr Vertrauen.

Ich empfehle deshalb fast immer: Wenn möglich, lasst eure Mitarbeiter sprechen. Wenn Menschen aus dem Unternehmen ihre Perspektiven teilen, geben sie der Marke ein Gesicht. Sie machen Botschaften greifbarer, persönlicher und glaubwürdiger als jede noch so gut formulierte Corporate-Copy.

Viele Administratoren von Unternehmensseiten setzen stattdessen darauf, dass „die Mitarbeiter den Beitrag ja einfach teilen können“. In der Praxis bringt das jedoch so gut wie nichts. LinkedIn bevorzugt eindeutig originäre Beiträge gegenüber geteilten Inhalten. Ein Share erzeugt meist nur einen Bruchteil der Reichweite eines eigenen Posts. Genau deshalb lohnt es sich, Mitarbeiter zu ermutigen, eigene Gedanken, Erfahrungen und Einblicke zu veröffentlichen, statt ausschließlich Unternehmensbeiträge weiterzureichen. Ein individueller Beitrag mit persönlichem Kontext schlägt fast immer das reine Teilen.

An dieser Stelle höre ich häufig die Sorge: „Was ist denn, wenn diese Mitarbeiter das Unternehmen irgendwann verlassen?“ Meine Erfahrung: Das ist kein Grund, die Sichtbarkeit nur auf einen „anonymen“ Account zu beschränken. Unternehmen sind keine statischen Gebilde. Neue Menschen kommen dazu, neue Stimmen entstehen. Wer heute Wissen und Sichtbarkeit aufbaut, zahlt trotzdem langfristig auf die Marke ein.

Sind Unternehmensseiten damit überflüssig? Ganz im Gegenteil! Sie bleiben ein wichtiger Bestandteil im Marketing-Mix, als offizieller Absender, als Content-Hub, als Ort für Stellenanzeigen und strukturierte Informationen. Aber sie entfalten ihre volle Wirkung erst dann, wenn sie von aktiven Menschen im Unternehmen ergänzt werden.

Mythos 3: Hashtags bringen mehr Reichweite

In den 00er und bis in die 10er Jahre sahen Feeds in den sozialen Medien noch anders aus: sie beinhalteten nur Beiträge von Personen oder Seiten, die wir auch abonniert haben. Neue Inhalten konnten wir beispielsweise über Hashtags entdecken, die Beiträge thematisch einordnen. (Ich erinnere mich noch daran, wie ich 2016 mit meinem neuen Instagram Account täglich den Hashtag #lostplaces gierig nach neuen Inhalten durchforstet habe, bis ich bei den Beiträgen vom Vortag angelangt war).

Heute funktionieren die meisten Plattformen grundlegend anders – so auch LinkedIn. Der Feed ist personalisiert, algorithmisch kuratiert und stark verhaltensbasiert. Wir sehen Beiträge, weil Menschen aus unserem Netzwerk sie liken, kommentieren oder weil LinkedIn vermutet, dass sie zu unseren Interessen passen.

Gleichzeitig hat sich unser eigenes Nutzungsverhalten verändert. Durch permanente Content-Beschallung und Endlos-Scroll-Feeds suchen wir immer seltener aktiv nach neuen Beiträgen. Frag dich mal selbst: Wann hast du zuletzt bewusst nach #Innovation gesucht? Ich tippe mal auf nie.

Ich habe mein eigenes Verhalten mal reflektiert und gemerkt: Es gab nur eine konkrete Situation, in der ich nach einem Hashtag gesucht habe (was mittlerweile auch schon wieder Jahre her ist): Es war bei einer Messe, als ich sehen wollte, wer noch vor Ort ist, was andere teilen und mit welchen Personen sich eine Vernetzung lohnt. Für den alltäglichen Content-Konsum spielen Hashtags für mich jedenfalls keine Rolle mehr.

LinkedIn hat inzwischen selbst bestätigt, dass Hashtags keine zusätzliche Reichweite erzeugen. Sie helfen bei der thematischen Einordnung eines Beitrags, sind aber kein Reichweitenhebel mehr. Das bedeutet nicht, dass Hashtags komplett sinnlos sind. Bei Events oder als individueller Hashtag einer Personal Brand können sie durchaus hilfreich sein. Wer jedoch glaubt, mit der richtigen Hashtag-Kombination die Sichtbarkeit eines Beitrags signifikant steigern zu können, folgt einem überholten Aberglaube.

Mythos 4: Meine Beiträge kann ich doch jetzt mit KI schreiben!

Auf LinkedIn nehmen KI-generierte Inhalte spürbar zu. Viele Texte klingen plötzlich erstaunlich ähnlich. Sie arbeiten mit denselben Formatierungen, Dramaturgien und Floskeln wie „mit Haltung“, „mit Wirkung“, „nicht laut, sondern leise“. 

Bei Bildern sieht es kaum anders aus. Beige Comic-Illustrationen, glattgebügelte KI-Portraits und Infografiken mit haufenweise Rechtschreibfehlern. (Wurde man doch früher schon für einen einzigen in den Kommentaren getadelt.)

Manchmal wirkt es, als wäre Social Media zum Trainingslager für KI-generierten Quatsch geworden. Irgendwie sollen alle KI nutzen, aber keiner will die Ergebnisse sehen.

So wie wir über die Zeit vollgepackte PowerPoint-Folien müde geworden sind, schalten wir heute bei KI-Inhalten ab. Wir wollen einfach keine Aufmerksamkeit verschwenden an Inhalte, die bei der Erstellung selbst keine Aufmerksamkeit bekommen haben.

Die Konsequenz wird bereits deutlich: Viele Menschen ziehen sich innerlich zurück. Sie kommentieren weniger, lesen selektiver und sehnen sich stärker nach einem richtigen, zwischenmenschlichen Austausch.

Das soll nicht heißen, dass du komplett auf KI verzichten sollst. Im Gegenteil: nutze künstliche Intelligenz gerne als Werkzeug, aber niemals als Ergebnis! Für LinkedIn braucht es jetzt mehr als zuvor Beiträge mit deinen Erfahrungen, deiner Persönlichkeit oder auch mal deinen Umgang mit Rückschlägen.

Mythos 5: Beiträge werden in Echtzeit angezeigt.

Hast du schon einmal einen Beitrag gesehen, der auf ein spannendes Event oder Webinar aufmerksam macht und gerade als du dich anmelden willst, merkst du, dass der Termin schon vorbei ist?

Viele glauben, dass ihr Beitrag ihrem Netzwerk in dem Moment gezeigt wird, in dem er veröffentlicht wird. Das stimmt allerdings nicht. LinkedIn priorisiert Inhalte nach Relevanz und Interaktion. Der Feed ist personalisiert und dynamisch. Je nachdem, wie aktiv dein Netzwerk ist und wie viele Inhalte täglich veröffentlicht werden, zeigt dir dein Feed auch Beiträge an, die eine, zwei oder sogar drei Wochen alt sind.

Wer also denkt: „Ich poste schnell noch etwas zu unserem Event morgen“, riskiert, dass ein relevanter Teil des Netzwerks den Beitrag erst sieht, wenn das Event längst vorbei ist. Gerade bei Webinaren, Bewerbungsfristen oder zeitlich begrenzten Angeboten bleibt dadurch viel Potenzial ungenutzt.

Wenn ich einen konkreten Termin bewerben möchte, hat sich für mich folgende Dramaturgie bewährt:

  1. Eine frühzeitige Ankündigung vier Wochen vorher.
  2. Ein Beitrag mit klarem Mehrwert und Nutzenargumentation für die Zielgruppe zwei bis drei Wochen vorher.
  3. Einen Reminder oder „Last Call“ mind. eine Woche vor dem Termin.

Wer dieses „zeitversetzte Posten“ berücksichtigt und seine Inhalte zeitlich klug plant, kann das Potenzial von LinkedIn bestmöglich ausschöpfen, statt sich im Nachhinein über vermeintlich fehlende Reichweite oder Conversions zu wundern. 

Mythos 6: Wer mich googelt, landet sowieso auf meiner Website

Viele Unternehmer, Selbständige oder Gründerinnen erstellen ein LinkedIn-Profil, füllen es rudimentär aus und oft genug passiert danach dann genau das: Gar nichts. Sie lassen ihr Profil einfach bestehen. Es existiert zwar, spielt im Alltag aber kaum eine Rolle oder wird komplett vergessen.

Nicht weiter schlimm, oder? Nicht ganz, denn ein wichtiger Punkt wird häufig übersehen: Sucht man deinen Namen bei Google, tauchen LinkedIn-Profile erstaunlich weit oben auf. Häufig sind sie sogar der allererste Treffer! Das heißt, sie werden noch vor deiner eigenen Website angezeigt. Wer also nach deinem Namen sucht, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit zuerst dort.

Und genau in diesem Moment entscheidet sich der (allseits bekannte und in dem Fall oft gefürchtete) erste Eindruck. Wenn das Profil unvollständig wirkt, seit Jahren nicht aktualisiert wurde oder wenig darüber verrät, wofür du eigentlich stehst, kann die Geschichte an dieser Stelle schnell zu Ende sein.

Viele unterschätzen, wie häufig solche kurzen Recherche-Momente stattfinden: Ein potenzieller Kunde, ein Journalist, ein möglicher Geschäftspartner oder auch ein Bewerber sucht nach deinem Namen, klickt auf das erste Ergebnis und verschafft sich innerhalb weniger Sekunden ein Bild von dir.

LinkedIn ist deshalb weit mehr als nur ein Netzwerk zum Teilen von Inhalten. Für viele ist die Plattform der Ort, an dem man zuerst nachsieht, um herauszufinden, mit wem man es zu tun hat. Gerade für Selbstständige und Solopreneure lohnt es sich deshalb, das eigene Profil regelmäßig aus der Perspektive eines Außenstehenden zu betrachten, um keine Chancen zu verschenken.

Mythos 7: Impressionen, Likes und Kommentare bestimmen den Erfolg

Viele messen ihren Erfolg auf LinkedIn an dem, was direkt sichtbar ist: Impressionen, Likes und Kommentare. Klar, denn immerhin sind diese Zahlen greifbar und lassen sich leicht vergleichen und auswerten. Gleichzeitig entsteht aber auch schnell der Eindruck: Wenn wenig passiert, funktioniert mein Content nicht.

Was dabei oft übersehen wird: Der größte Teil der Plattform verhält sich still. Schätzungen zufolge erstellen nur etwa ein Prozent der LinkedIn-Nutzer regelmäßig eigene Inhalte. Der überwiegende Teil liest mit, beobachtet, bildet sich eine Meinung, aber ohne selbst aktiv zu werden. Ich nenne sie immer gern die „schweigende Masse“.

Ich erlebe das tatsächlich auch immer wieder. Menschen melden sich bei mir, beziehen sich auf Beiträge, die ich vor Wochen oder Monaten veröffentlicht habe, und sagen dann Sätze wie: „Ich lese schon länger mit“ oder „Ich verfolge deine Inhalte schon eine ganze Weile“. Viele dieser Personen haben vorher nie einen meiner Beitrag geliked oder kommentiert.

Soll heißen: Die eigentliche Wirkung ist leider nicht so leicht messbar, wie Likes oder Kommentare und entsteht oft außerhalb der Plattform. Aus meiner Erfahrung sind es selten die Menschen, die regelmäßig liken oder kommentieren, die später zu Kunden werden. Viel häufiger sind es diejenigen, die sich im Hintergrund halten. Wenn man sich das bewusst macht, verändert sich auch der Blick auf die eigenen Inhalte.

Es geht weniger darum, möglichst viele Reaktionen zu erzeugen, sondern mehr darum, über längere Zeit präsent zu sein, Vertrauen aufzubauen und im richtigen Moment in Erinnerung zu bleiben. Und genau dafür ist LinkedIn doch wunderbar geeignet.

Bonus Mythos: Sichtbarkeit erreicht man nur über eigene Beiträge

„Ich habe keine Zeit eigene Beiträge für LinkedIn zu schreiben, deswegen bin ich dort auch nicht aktiv.“ So oder so ähnlich höre ich das von vielen Unternehmern. Mit dieser Aussage schwingt ein Bedenken mit: Nämlich, dass sich nur eigene Beiträge lohnen, um etwas auf LinkedIn zu erreichen.

Das ist aber absolut nicht so! Es gibt einige Aktivitäten, mit denen du Sichtbarkeit aufbauen kannst, ohne eigene Beiträge zu schreiben und ohne viel Zeit aufzuwenden. Ich habe sie in meinem Beitrag über die 15 Minuten LinkedIn Routine inkl. Infografik zum Download zusammen gefasst. Hier nur ein paar der Möglichkeiten:

  • Kommentare schreiben
  • Geburtstagsnachrichten senden
  • Profile durchstöbern

Über die Autorin

Hi, ich bin Sandy, Mitgründerin und Geschäftsführerin von Startpunkt Media, einer Medienagentur aus Mittweida, die sich auf Marketingstrategie und Medienproduktionen spezialisiert hat. Seit über 8 Jahren bin ich mittlerweile bei LinkedIn aktiv und weiß, wie man ein starkes Netzwerk aufgebaut und über die Plattform potenzielle Kunden sanft zur Kaufentscheidung begleitet – ganz ohne nervige Akquise. 

Ich liebe es mein Wissen zu teilen und schenke dir gerne mein kostenloses Whitepaper zu „99 Content-Ideen für LinkedIn“.

Ob als Start für selbständige Frauen oder bei der regelmäßigen Content-Unterstützung für Abteilungsleiter und Geschäftsführer: ich begleite Unternehmer gerne auf dem Weg zu mehr Sichtbarkeit. Lass uns doch mal über deine Ziele sprechen und nimm Kontakt mit mir auf!